Führungswissen

Zum ersten Mal Führungskraft – was ich ganz persönlich rate

Zum ersten Mal Führungskraft – was ich ganz persönlich rate

Meine erste Führungsaufgabe bekam ich mit Anfang zwanzig als junger Offizier – und ich erinnere mich gut an das Gefühl der ersten Wochen: alle schauen auf dich, jeder hat eine Meinung dazu, wie du es machen solltest, und niemand sagt dir, wie es wirklich geht. Später habe ich als Geschäftsführer viele Menschen zum ersten Mal in Führung gebracht – und dabei immer wieder dieselben Muster gesehen: bei denen, die gut ankamen, und bei denen, die strauchelten.

Dieser Beitrag richtet sich deshalb an beide Seiten: an Sie, wenn Sie zum ersten Mal führen. Und an Sie, wenn Sie jemanden gerade dazu berufen haben.

An die neue Führungskraft: Fünf Dinge, die ich Ihnen rate

1. Ihr Job hat sich fundamental geändert – nehmen Sie das ernst. Sie wurden vermutlich befördert, weil Sie fachlich gut sind. Aber Führung ist ein anderer Beruf: Ihr Erfolg misst sich ab jetzt nicht mehr daran, was Sie selbst leisten, sondern daran, was Ihr Team leistet. Der häufigste Fehler neuer Führungskräfte ist, der beste Sachbearbeiter des Teams zu bleiben – und die Führung nebenbei zu erledigen. Es ist genau umgekehrt: Die Führung ist die Aufgabe. Das Fachliche wird Werkzeug.

2. Führen Sie mit jedem Einzelnen ein echtes Gespräch – in den ersten zwei Wochen. Nicht über Ziele und Zahlen, sondern über die Person: Was machst du gern? Was frustriert dich? Was erwartest du von mir? Sie werden Dinge erfahren, die in keinem Übergabeprotokoll stehen – und Sie senden die wichtigste Botschaft, die eine neue Führungskraft senden kann: Ich sehe euch.

3. Wenn Sie gestern noch Kollege waren: Sprechen Sie es an. Die Beförderung aus dem Team heraus ist die schwierigste Variante – gestern Feierabendbier, heute Beurteilungsgespräch. Der Fehler ist, so zu tun, als hätte sich nichts geändert. Es hat sich etwas geändert, und alle wissen es. Sagen Sie es offen: „Unsere Zusammenarbeit bekommt eine neue Rolle dazu. Ich werde Entscheidungen treffen müssen, die nicht jedem gefallen – und ich werde sie fair treffen." Das ist unbequem. Es einmal auszusprechen ist aber viel billiger, als es monatelang zu umgehen.

4. Wollen Sie Respekt, nicht Beliebtheit. Der Wunsch, von allen gemocht zu werden, ist der stille Karrierekiller neuer Führungskräfte: Er führt zu vertagten Konflikten, weichgespülten Botschaften und Entscheidungen nach Stimmungslage. Die Wahrheit ist: Sie werden Entscheidungen treffen, die einzelne enttäuschen. Ihr Team verzeiht Ihnen unbequeme Entscheidungen – was es Ihnen nicht verzeiht, sind unklare, unehrliche oder ungerechte.

5. Suchen Sie sich ein Gegenüber – vom ersten Tag an. Vieles, was Sie jetzt beschäftigt, können Sie weder mit dem Team noch mit dem eigenen Chef besprechen: Unsicherheiten, Halbfertiges, den Ärger über sich selbst. Genau dafür braucht jede Führungskraft einen vertraulichen Ort – einen erfahrenen Kollegen aus einem anderen Bereich, einen Mentor, einen Sparringspartner. Wer das von Anfang an hat, lernt schneller und stolpert seltener.

An den Vorgesetzten: Sie haben befördert – jetzt sind Sie dran

Die Beförderung war der Anfang Ihrer Aufgabe, nicht ihr Ende. Die meisten Unternehmen investieren Wochen in die Auswahl – und nichts in die ersten Monate danach. Dabei entscheidet sich genau dort, ob aus der guten Fachkraft eine gute Führungskraft wird.

Klären Sie die Rolle öffentlich. Stellen Sie die neue Führungskraft vor dem Team vor, machen Sie deutlich, dass sie Ihr Vertrauen und Ihre Rückendeckung hat – besonders, wenn sie aus dem Team heraus befördert wurde. Eine neue Führungskraft, deren Autorität der eigene Chef sichtbar stützt, muss sie sich nicht im Alleingang erkämpfen.

Vereinbaren Sie einen festen Gesprächsrhythmus. Im ersten halben Jahr alle zwei bis drei Wochen eine halbe Stunde – nicht als Kontrolle, sondern als Begleitung: Was läuft? Wo hakt es? Was brauchst du? Die teuersten Fehler neuer Führungskräfte passieren dort, wo niemand fragt.

Erlauben Sie Anfängerfehler – und ziehen Sie eine Grenze bei Vermeidung. Wer zum ersten Mal führt, wird Fehler machen: zu viel selbst tun, zu spät delegieren, ein Gespräch verpatzen. Das ist Lernkurve. Kritisch wird es erst, wenn jemand Führung dauerhaft vermeidet – Konflikten ausweicht, Entscheidungen liegen lässt, sich ins Fachliche flüchtet. Das anzusprechen ist Ihre Aufgabe, nicht die des Teams.

Und investieren Sie in Begleitung. Ein Führungstraining, ein Mentor, ein externes Sparring für die ersten Monate – gemessen an den Kosten einer gescheiterten Besetzung ist das die günstigste Versicherung, die Sie abschließen können.

Der eine Satz, wenn es nur einer sein darf

Für die neue Führungskraft: Führung ist ein Handwerk – man kann es lernen, aber nicht nebenbei. Für den Vorgesetzten: Wen Sie befördern und dann allein lassen, den haben Sie nicht befördert, sondern ausgesetzt.

Begleitung für den Start

Das Übergangs-Sparring von ACTIVE WORKS begleitet neue Führungskräfte durch die ersten Monate – vertraulich, praxisnah, aus eigener Führungserfahrung vom Teamleiter bis zum Geschäftsführer. Auch als Angebot des Vorgesetzten an seine neue Führungskraft, mit planbarer Monatspauschale. Und wo es um die Gesundheit geht, gilt unverändert: Das gehört in ärztliche und therapeutische Hände – auch dabei helfen wir, die richtige Anlaufstelle zu finden.

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